Die Testspiel 2017 aus Holgers Sicht

Die Testspiel 2017 aus Holgers Sicht

Einen herzlichen Gruß in die Spielgemeinde und willkommen zu meinem Veranstaltungsbericht.

Am vergangenen Sonntag fand sie also statt. Unsere „Testspiel 2017“ in neuen, schöneren, größeren Räumen. Dem Kulturhaus Eppendorf. Dieses Jahr hatten wir mit der Testspiel unseren ersten kleinen runden Geburstag. Fünf Jahre ist die Veranstaltung nun schon „alt“ und hat sich in dieser Zeit merklich gewandelt und ja auch professionalisiert. 120 bis evtl. sogar 150 Gäste haben uns bei strahlend schönem Wetter besucht und eine entspannte, verspielte Zeit mit uns genossen.

Die Testspiel.

Was ist das eigentlich? Und wie ist es zur Testspiel gekommen? Nach nunmehr fünf Jahren möchte ich jenen Besuchern, die dieses Jahr evtl. zum ersten mal bei uns zu Gast waren, einen kleinen „historischen“ Rückblick geben.

2012 haben wir „aus dem Stand“ mit ca. 50 Spielefans in Hamburg einen Verein für Brett,- und Gesellschaftsspiele gegründet. Die „Spielkultur Hamburg e.V.“ Dieser traf (und trifft) sich regelmässig Mittwochs in den schönen Seminarräumen der Kirchengemeinde St. Gertrude, nahe U-Bahn Mundsburg.

2013 ist uns die Idee gekommen, das wir gerne einen sog. „Spieleautorentag“ organisieren möchten. Einen Spieletag, auf dem wir Hamburger und auch gerne Norddeutsche Spieleautoren einladen wollten und auf dem nur sog. „Prototypen“ gespielt werden sollten. Nach intensiven Recherchen. Einerseits um überhaupt erst einmal diese rare Spezies „Spieleautor“ zu finden. Andererseits um zu schauen, wie andere Spielkreise bzw. Vereine so etwas wie einen „Spieleautortentag“ organisieren. Konnten wir unseren ersten Spieleautorentag in unseren Vereinsräumen (Immenhof 8a) starten. Aus dem Stand besuchten uns ca. 10 Spieleautoren und 48 Besucher. Was unsere Raumsituation total gesprengt hatte. Mit so viel Resonanz hatten wir nicht gerechnet.

Unser erster Spieleautorentreff 2013 in den Räumen der „Spielkultur Hamburg“.

Unter den Gästen auch ein junger kreativer Spieleautor mit Namen „Shaun Graham“ (siehe das lachsfarbene Hemd, zusammen mit Peter Eggert am Tisch!). Die Idee des Spieleautorentreff hat Shaun vom Fleck weg begeistert. So viele Spieleautoren an einem Ort, die Möglichkeiten der kollegialen Beratung und und und… gerne teilte ich meine gesamelten Mailadressen und Autorenkontakte (zu jener Zeit schon an die ca. 32) mit Shaun, der auf dieser Basis das „Spielwerk Hamburg“ gründete, einen monatlichen Stammtisch für Spieleautoren.

2014 – 2016 verlagerten wir unser Spieleautorentreffen dann in die Räume vom „Studienkreis Altona“, einer btw. excelenten privaten Schule für Nachhilfe. Hier haben wir in sechs Räumen und einer kleinen Küche Platz für 70 bis 80 Besucher gehabt. In dieser Zeit (bis 2016) beschlossen wir, die Veranstaltung auf Basis einer persönlichen Anmeldung unserer Gäste zu führen, denn immer noch war der Platz dem großen Interesse der Spielergemeinde kaum gewachsen. Schon ab dem Jahr 2014  war Shaun mit dem neugegründeten und inzwischen auch sehr erfolgreichen „Spielwerk Hamburg“ Mitorganisator des Hamburger Spieleautorentreffs. Das Spielwerk Hamburg ist inzwischen seinerseits ein Verein mit eingetragenen „e.V.“ und 2016 konnten aus dem „Spielwerk Hamburg“ gleich fünf Spiele bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht werden. Und es haben sich zwei neue Verlage aus der Netzwerk-Arbeit des Spielewerkes heraus gegründet. Wenn das mal keine Erfolgsstory ist!

Spieleautorentreffen in den Räumen des Studienkreis Altona 2016

2016 fragte ich Shaun, ob nicht er mit dem Spielwerk die Hauptausrichtung des Hamburger Spieleautorentreffens übernehmen möchte? Dieses liege vielmehr in der „Kompetenz“ der Hamburger Spieleautoren als (wie bisher) in dem Kompetenzbereich der durch „Spielkultur Hamburg e.V.“ vertretenen Spielefans. Shaun nahm diese „challenge“ dankbar an und…

2017 sollte so ziemlich alles ganz anders werden.

Shaun organisierte für den Hamburger Spieleautorentag neue Räume im „Kulturhaus Eppendorf“.

Dazu ein LOGO, einen wirklich coolen kleinen TEASER, eine eigene Homepage und sogar von dem Namen konnte Shaun seine kleinen kreativenn Finger nicht lassen. „Testspiel“ sollte dieses Kind nun also heissen. Ach ja… und die Gäste brauchten sich jetzt auch nicht mehr anmelden. Konnten „einfach so“ vorbei kommen? Und wo wir zwischen 2012 und 1016 noch vom Verein „Spielkultur Hamburg“ aus ein Catering für unsere (spielenden) Gäste (Kaffee, Kuchen, Snacks…) organisiert hatten, sollte dies nun das Bistro vom Kulturhaus Eppendorf übernehmen… Und Shaun – der wirklich ein Kommunikationsgenie ist – gelang es auch gleich aus dem Stand ein paar Kooperationspartner für das Projekt „Testspiel“ zu begeistern. Soweit also die neuen Rahmenbedingungen, die Shaun versuchte mir (bzw. der Spielkultur Hamburg) „schmackhaft“ zu machen.

Mir war das ja zugegeben alles etwas viel an „Neuerungen“. An der einen oder anderen Stelle war ich da schon etwas skeptisch. Vor allem was den Ort betraf. Das Kulturhaus Eppendorf. Positiv war hier ohne Zweifel der öffentliche Rahmen als „Kulturhaus“. Eine Veranstaltung wie das „Hamburger Spieleautorentreffen“ (Tschuldigung – der TESTSPIEL – ) in einem Kulturhaus ist natürlich etwas ganz anderes, als in einer privaten Nachhilfeschule.

Auf der anderen Seite. Wechselt eine Veranstaltung die Location bricht hier i.d.R. erst einmal die Besucherzahl ein. Und das Kulturhaus Eppendorf ist dann auch nicht so gut am HVV angeschlossen wie der alte Studienkreis, der nur wenige Gehminuten entfernt die S-Bahn Holstenstrasse hatte. Also so City-nahe wie fast irgend möglich. Meine Skepsis war entsprechend groß und und ich bat Shaun, die Erwartungen zur ersten „Testspiel“ in der neuen Location nicht zu hoch zu hängen.

Die Aufgabenteilung zwischen Shaun und mir war denkbar einfach.

Shaun organisiert alles um die Testspiel, was auch nur entfernt mit der Raumsituation zu tun hat und die Spieleautorenanmeldungen.

Ich vertretend für die „Spielkultur Hamburg“ versuchte die „Hütte“ voll zu bekommen. Wobei meine Zielmarge ca. vier Besucher je angemeldeten Spieleautor war. Damit die Spieleautoren jeweils einen gut besetzten Spieletisch vorfinden konnten.

Schon 2013, als ich meine ersten Recherchen dazu startete wie andere Spieleregionen ihre „Spieleautorentreffen“ organisierten. Sind mir Berichte aufgefallen, das (übrigens Bundesweit nur sehr sehr wenigen!) Spieleautrentreffen so aussehen, das diese vielleicht 10 Spieleautoren vor Ort haben. Zu 20 Besucher / Spielefans. Was dann bedeutet, das die Spieleautoren dort doch im wesentlichen unter sich spielen oder sich die „wenigen“ Testspieler von den Tischen abschwatzen mögen. Viele Spielefans möchten leider keine „Prototypen“ spielen, die in dem Ruf stehen, irgendwie „unfertig“ und „unausgegoren“ zu sein. „Prototypen“, das sind doch karierte Zettel auf denen mit Bleistift Skizzen von künftigen Spielideen entworfen werden. Dabei sehen heute viele dieser „Prototypen“ schon während der Entwicklung so aus, als ob man das jeweilige Spiel so fertig im Spieleshop kaufen kann. Die Materialqualität, die die jungen Spieleautoren hier an den Tag legen ist wirklich unglaublich hoch! Lieber jedoch möchte eine Mehrzahl der Spielefans „Preisausgezeichnete“ Spiele (Kennerspiel des Jahres usw.) spielen, die auf den Spieletischen verschiedener Spieletreffen gerade oft mal zwei- oder dreimal gleichzeitig an verschiedenen Spieletischen ausliegt. Die also einem gewissen „Hype“ unterliegen. Das ganz besondere Spielerlebnis, mit dem Spieleautor am Tisch dessen neue Spielidee zu erkunden und mit ihm über die stärken (und auch schwächen) dieser Spiel-Idee zu diskutieren, wird dabei oft leider ganz ausser acht gelassen.

Shaun konnte für die anstehende TESTSPIEL ca. 25 Spieleautoren begeistern. Entsprechend der vor Ort zur Verfügung stehenden Spieltische. Die mir selbst gesetzte Zielmarge von vier Gästen je Spieleautor bedeutete also an die 100 Gäste für die Testspiel zu mobilisieren. Ein „Erfolg“ an dem ich (siehe oben) aufgrund des Ortswechsels und der HVV Anbindung kaum zu hoffen wagte.

(Foto copyright Andrea Boennen von „Nova Spiele“)

Ela, die zusammen mit Sirkka für unseren Verein ein kleines Catering für die anwesenden Spieleautoren und Verlagsmitarbeiter vorbereitet hatte und dieses auch über die ganze Veranstaltung hinweg betreute, fand Zeit ab und an eine kleine Besucherzählung durchzuführen. Nach dieser Zählung mögen auf der Testspiel wohl zwischen 120 und 150 Besucher zusammen gekommen sein. Damit hat sich die „Testspiel“ mit der neuen Location mal eben von den Besuchern her fast verdoppelt! Von den beiden wird es übrigens wohl auch noch einen sehr lesenswerten eigenen Erlebnisbericht geben. Ich freue mich darauf schon sehr!

Wie auf den Fotos ja evtl. ein wenig zu erkennen ist, waren wirklich alle Räume des Kulturhauses ab ca. 12:00 Uhr sehr gut gefüllt. Das Kulturhaus Eppendorf ist ein langgezogenes Gebäude mit vielen Winkeln und kleinen Seminarräumen, jeweils mit einem besonders großen Raum an den äusseren Seiten abgegrenzt. Diese Räume wurden optimal genutzt. In den kleinen Räumen hat Shaun Spielerunden plaziert, die ein eher etwas ruhiges Spieleumfeld brauchten. Beispielsweise Kooperative Spiele wie die „Helden von Falkensein“, welche uns aus Bremerhaven besuchten. Das inzwischen als „Fuchsteufel“ Hamburgweit bekannte „Spielecafe in Gründung“ wurde im kleinen Bistro-Bereich gleich links vom Eingang angesiedelt. Hier haben Sven und Tina die „Fuchsteufel“ eine kleine aber feine Auswahl an knackig kurzen Spielen ausgebreitet, für Gäste die gerade erst einmal angekommen waren und mit „Prototypen“ noch nicht so viel anfangen konnten. Diese Gäste konnten sich beim Fuchsteufel erst einmal in entspannter Runde „akklimatisieren“.

In den großen Räumen gab es dann Tische verschiedener Spielverlage mit ihren neuen aktuellen Spielideen zu erkunden. Überhaupt ein Wort zu den Spieleverlagen. Auf der Testspiel konnte ich gleich sechs oder sieben Verlage zählen, die mit Vertretern, Spieleredakteuren oder gleich den Verlagsgründern in Person vor Ort waren. Allem voran möchte ich hier „LOOKOUT Games“ aus Bremen würdigen, die u.a. mit einer Erweiterung für „Isle of Skye“ und „Caverna für zwei Spieler“ meines Wissens nach erstmalig seit 2008 wieder einmal in Hamburg (als Verlag) zu „Besuch waren.

Die weiteste Anfahrt hatte sicherlich der „MUNGO Verlag“ aus ich meine Essen? Aus Hamburg und der näheren Umgebung waren die Verlage Eggertspiele, PD-Games, Campagames, der neu gegründete QUANGO-Verlag und der Selbstverlag von Björn-Müller-Mätzig vor Ort. Ich bin mir ziemlich sicher, das die jeweiligen Verlagsvertreter sehr aufmerksam das Spieleangebot der (mindestens) ca. 25 ausstellenden Spieleautoren beobachtet haben. Und vielleicht findet einer der Prototypen hier ja auch seinen Weg zu einer Verlagsveröffentlichung?

Sehr gefreut habe ich mich über die vielen Spieleautoren, die zur „Testspiel“ gefunden haben. Das waren nicht nur die ca. 25 Spieleautoren, die einen der Autorentische reservieren konnten. Dazu sind noch einige Autoren mehr gekommen, die keinen Tisch reservieren konnten. Auch in der Hoffnung Nachmittags evtl. doch noch einen Tisch von den Autorenkollegen „übernehmen“ zu können. Was zumindestens teilweise wohl auch ganz gut funktionierte? Mit Peer Sylvester kam unser am weitesten angereister Spieleautor hier möglicherweise aus Berlin. Deborah und Daniel, die „Helden von Falkenstein“ (einem wunderbaren mittelalterlichen „low Fantasy“ Kooperationsspiel im historischen Setting) waren aus Bremerhaven vor Ort. Rainer Knöbel aus Kiel, Bruce Whithill von der ESG (Europäischen Spielesammler-Gilde). Aus Hamburg und Umgebung stammten natürlich die Mehrheit der anwesenden Spieleautoren. Christoph Cantzler (bekannt durch die Spiele „Riff Raff“ oder Barracuda) stellte ein neues Kinderspiel vor. Michel Luu, Andrea Boennen, Antoine Noblet, Tom Schoepps, das Urgestein Hamburger Spieleautoren… viele viele Spieleautoren die man vom „Spielwerk Hamburg“ und anderen Hamburger Spieletreffen kennen und schätzen gelernt hat. Daneben fanden aber auch ganz neue und unbekannte Autoren-Gesichter zur „Testspiel“, die uns hoffentlich auf künftigen Spieletreffen erhalten und begleiten werden. Johannes Lorenzen, der vom Spieleabend „PASCH-TV“ zu uns fand und ein komplexes „Combat-Card-Game“ im Gepäck hatte. Thomas und Manuela, die gleich mit drei zum niederknien schönen Prototypen erstmalig überhaupt(?) auf einem Hamburger Spieleabend furore machten und deren Spieletische von den Gästen durchweg gut angenommen wurden.

Das neue Konzept von Shaun ging also in allen Punkten großartig auf. Jegliche Befürchtung, die ich möglicherweise gehabt haben mag – in den Wind geschlagen! Shaun hat alles wunderbar richtig gemacht mit der neuen Location für die „Testspiel“ und ich bin als Mitorganisator wie auch als Hamburger Spielefan sehr sehr erfreut, das Shaun auch die kommenden Jahre die „Testspiel“ organisiert und habe ob dieses fuliminanten Starts der „Testspiel“ keinen Zweifel, das sich die Veranstaltung in den kommenden Jahren unter Spieleautoren, Verlegern und auch Spieleredakteuren einen überregional guten Ruf erarbeiten wird und möglicherweise sogar zum „Pflichttermin“ werden könnte. Veranstaltungen wie dieses Hamburger Spieleautorenttreffen gibt es in Deutschland kaum und mit diesem Veranstaltungs-Konzept haben wir Bundesweit ein fast Alleinstellungsmerkmal. Daumen hoch dafür!

Soweit von mir… ich hoffe ihr geschätzten Leser habt ein wenig Vergnügen an meinem Veranstaltungsbericht gefunden und evtl. besucht ihr uns ja im kommenden Jahr zur dann Testspiel 2018?!

Holger.

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